“Tsubaki – Baum der glänzenden Blätter” – Keramiken von Luisella Giobbi

Die Keramikerin Luisella Giobbi lebt und arbeitet in Bellinzona. Das Ereignis des Kamelienfestes veranlasst sie, ihre eigene Sicht der Kamelie vorzustellen. Sie zeigt Kreationen, die eine natürliche Kreisförmigkeit aufweisen, mit sanft wellenförmigem Profil und einer äusserst präzisen Feinbearbeitung der Oberfläche, fern jeder gefälligen Übersteigerung des Werkstoffs. Es handelt sich um echte Unikate, denn sie wurden ohne die Verwendung wiederholbarer Technologie hergestellt. Die aussergewöhnliche Farbwirkung wird durch den sorgfältigen Auftrag der Lehmschichten erzielt.
Diese einmalige Gestaltung wird unterstrichen durch den hohen Aufwand beim Brennen, für das Luisella Giobbi die aus Japan stammende Raku-Technik einsetzt, die eigens entwickelt wurde, um den Tassen für das Teezeremoniell jene natürlichen Nüancen zu verleihen, die von der Zen-Philosophie angestrebt werden.

Die Orangen, die das Gesamtbild der Ausstellung beherrschen, sind dank der einen Farbtöne durchaus geeignet, in einer Kamelienschau Platz zu finden. Diese Farbvariationen werden durch eine besondere Tonverarbeitung ermöglicht, die der attischen Keramikkunst eigen ist und im römischen Reich eine weitere Verbreitung und Wertschätzung gefunden hat. Es ist überraschend, dass es sich um die “natürliche“ Farbe feinster Lehmpartikel handelt, die durch ein kompliziertes Dekantierverfahren herausgeholt werden.Diese Jagd nach den gläsern wirkenden Farben, die aus dem Lehm gewonnen werden, ist von den alten Griechen eingeleitet worden und bleibt auf der künstlerischen Ebene ein Ausdrucksmittel in der Hand zahlreicher Keramiker von internationalem
Ruf. Luisella Giobbi steht ihnen nicht nach und beweist durch ihre Arbeiten, dass es möglich ist, als antik oder überholt geltende Techniken im zeitgenössischen Kunstschaffen zu verwenden.


Bellinzona, 4. Februar 2003